Schon oft wurde ich auf meine Leidenschaft zum interaktiven Medium angesprochen. Audio-visuelles Geschichtenerzählen ist schon super für sich, aber die interaktive Ebene hat nochmals ganz andere Möglichkeiten, Gefühle und Zusammenhänge erlebbar zu machen.

In einem der letzten Gespräche wurde ich auch gefragt, ob ich denn Spiele empfehlen könnte, die ihre Geschichte erzählen, wie es nur durch Interaktivität machbar ist. Natürlich kann weder ein Video, noch mein Text das besondere an diesen Spielen näherbringen, da sie eben den entscheidenen Teil durch ihre Interaktivät transportieren. Aber dennoch:

Florence

Die kurze Geschichte von Florence dreht sich um eine junge Frau und ihre erste Liebe. Dazu gehören alltägliche Dinge wie Gespräche mit dem Partner oder das gemeinsame Kochen.

Florence macht durch kleine aber intelligente Veränderungen in der Spielmechanik Gefühle greifbar, die jeder Mensch kennt: Wenn beispielsweise in einem Dialog die als Puzzleteile dargestelle Sprechblasen nicht mehr so einfach ineinander passen, drückt das Uneinigkeit oder Streit aus.

Das Spiel gibt es für iOS und Android. Ich habe das ungefähr 30 Minuten lange Spiel an einem Abend vor dem Einschlafen durchgespielt. Kann ich nicht empfehlen, wenn man dann mit den durch das Spiel erzeugten, melancholischen Gefühlen alleine ist…

Journey

Wem ich schon einmal die Geschichte vom Herz im Schnee erzählt habe (und das sind nicht wenige), der kann meinen Text über Journey gern überspringen. So leidenschaftlich kann ich es nicht schreiben, wie ich es gerne erzähle.

Das besondere der Reise in Journey ist, dass man zufällig mit anderen Spielern zusammenkommt, um alle Geheimnisse zu finden und die Reise letztlich zu beenden. Dabei kann aber nur durch eine Art Leuchtimpuls kommuniziert werden. Weder Text- noch Voice-Chat funktionieren, der Name der anderen Spielfigur bleibt ebenfalls bis zum Ende verborgen.

Durch diese besondere Art der Kommunikation gestaltet sich jede Reise anders. Mir ist es passiert, dass ich die komplette Reise mit einer Person aus Japan bestritt. Als wir nach dem Spiel Textnachrichten austtauschten, konnten wir nicht mal unsere jeweiligen Schriftzeichen entziffern. Doch im Spiel und mit den gegebenen, auch wenn stark limitierten Möglichkeiten, verstanden wir uns wunderbar.

Meine ganze persönliche Geschichte mit Journey erzähle ich gern bei einem Kaffee oder Tee. Dafür muss die richtige Stimmung herrschen.

Undertale

Undertale ist das dritte Spiel, das ich gern empfehlen möchte. Und als Begründung möchte ich eine Besonderheit erzählen, die relativ am Anfang vorkommt. Daher nur ein kleiner Spoiler.

Undertale bietet, neben einem neutralen Spielverlauf, zwei spezielle Spielemodi: Den Pacifist Run und den Genocide Run. Während des Spiels müssen sich die Spieler entscheiden, ob sie entweder die auftauchenden Monster töten oder sich mit diesen anfreunden.

Als sich eine der Hauptfiguren in den Weg stellt, scheint die Situation aussichtslos. Sie lässt sich nicht zu einer friedlichen Lösung überzeugen. Daher war meine Taktik, sie erst mit Gewalt zu schwächen, um ihr dann erneut ein Friedensangebot zu machen. Bei der Hälfte ihres Lebens, fiel die Figur plötzlich tot um. Vor Schreck hab ich die Konsole ausgemacht und neugestartet.

“Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.” Diesen Satz hörte ich, als ich wieder an besagter Stelle war. Das komplette Spiel abzuschalten und an einem Speicherpunkt wieder zu beginnen, ist eben auch eine Interaktion. Solche Eigenheiten des Mediums baut Undertale intelligent in seine Spielwelt ein und schafft es immer wieder, damit die Spieler zu überraschen.

Welches Spiel hat dich mit seiner Mechanik überrascht? Würde mich echt interessieren, bin für jeden Tipp dankbar. Schreib es mir am besten auf Twitter!